Abschlussbericht  

Curaçao Dolphin Therapy and Research Center

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CURAÇAO DOLPHIN THERAPY & RESEARCH CENTER N.V.
(”CDTC”)
At the Curaçao Sea Aquarium Park
Bapor Kibra z/n Phone:   (+599 9) 4619886
Willemstad Fax:   (+599 9) 4619889
Curaçao, Netherlands Antilles Email:   info@curacaodolphintherapy.com
matthias@curacaodolphintherapy.com
 
 

Curacao, den 18.03.2010

 

                       

Abschlussbericht

Name:

Sabrina Sievers

Geburtsdatum:

22.04.1993

Anschrift:

Hamburg, Deutschland

   

Diagnose:

ICP mit Athetose

 

Behandlungszeitraum:        01.03. bis zum 12.03.2010

Sabrina erhielt im Zeitraum vom 01. März bis zum 12. März 2010 insgesamt 10 Therapieeinheiten im CDTC. Sie kannte die Umgebung, die Mitarbeiter und die Delfine bereits von ihren vorherigen Therapien. Es wurde eine Befunderhebung zur Evaluierung des aktuellen Status durchgeführt. Ergänzend zum CDTC-Erfassungsbogen wurde ein Aufnahmegespräch geführt, in dem unter anderem Besonderheiten von Sabrina besprochen und Therapieziele festgesetzt wurden. Darüber hinaus wurden täglich Gespräche zur Auswertung der Therapieeinheiten durchgeführt.

Die Delfintherapie im CDTC wird nach verhaltenstherapeutischen Prinzipien (positive Verstärkung, operantes Konditionieren) und wissenschaftlichen Grundlagen durchgeführt. Außerdem sind psychologische Familienkonsultationen möglich. Die Patienten werden von einer internationalen, multi-disziplinären Gruppe von Therapeuten betreut. Die Therapeuten sind in folgenden Bereichen ausgebildet, zertifiziert und staatlich anerkannt:

                                                  ●    Physiotherapie
                                                  ●    Ergotherapie
                                                  ●    Logopädie
                                                  ●    Verhaltenstherapie
                                                  ●    Sonderpädagogik
                                                  ●    Psychologie

Die genannten Therapiebereiche werden in Abhängigkeit von den Therapiezielen des jeweiligen Patienten kombiniert, eingesetzt und in die tiergestützte Therapie eingefügt.

Herzlich Willkommen in CDTC! Sabrina kam in diesem Jahr wieder in Begleitung ihrer Eltern zu ihrer insgesamt elften Delfintherapie. Nach Aussagen der Eltern konnte sie seit ihrem letzten Aufenthalt bei uns wieder weitere Fortschritte im motorischen, als auch im kommunikativen Bereich machen. Sabrina hatte einen neuen Sprachcomputer, welchen sie mit ihrem Kopf und mit ihrer Hand selbständig bedienen konnte.

Sabrinas Therapieziele während des Aufenthalts im CDTC beinhalteten:

> Verbesserung der Kommunikation

> Verbesserung der Deutlichkeit des „Ja”- Sagens

> Verbesserung der motorischen Möglichkeiten
      ○  Förderung der Aufrichtung
       Verbesserung der Kopfkontrolle (Blickkontakt)
      ○  Kontrakturprophylaxe
      ○  Förderung selektiver Bewegungen

Die Arbeit im Bereich der kommunikativen Fähigkeiten begann mit der Festigung des Aufbauens eines Blickkontaktes. Vor jeder Ansprache warteten wir ab, bis Sabrina uns einmal in die Augen schaute. Im Laufe der zweistündigen Therapieeinheiten boten sich viele Möglichkeiten, in denen wir Sabrina um ihre Meinung fragten und sie aktiv in die Gestaltung der Therapie mit einbezogen. Vom ersten Tag an waren wir begeistert, wie gut Sabrina Blickkontakt mit ihrem Gegenüber aufbauen konnte. Situationsabhängig fiel es ihr teilweise schwieriger, doch ihre Fortschritte in diesem Bereich waren deutlich. Weiteres Ziel war es, die Aussprache des „Ja” und „Nein” dahingehend zu verbessern, dass es für Begleitpersonen und Therapeuten einfacher wird, Sabrina zu verstehen. Durch die Nutzung ihres Sprachcomputers wird es Sabrina ermöglicht, ihre Wünsche und Bedürfnisse deutlicher zum Ausdruck bringen zu können. Dieser wurde aktiv in die Vorbereitungszeit integriert und in Kombination mit motorischen Zielen (selektives Bewegen) genutzt. Wir boten Sabrina die Kommunikation mit ihrem Computer jeden Tag an und abhängig von ihrer Tagesform konnte sich Sabrina darauf einlassen.

Wir halten es für sehr empfehlenswert, mit Sabrina intensiv den Einsatz des Sprachcomputers zu üben. Wenn sich die Kooperation Sabrinas in therapeutischen Situationen weiter verbessert, empfiehlt es sich, logopädische Therapieeinheiten im Sinne der orofacialen Stimualtion und Regulation, wieder in ihren Behandlungsplan zu integrieren.
 

In der Therapiezeit wurde weiterhin Wert darauf gelegt, dass Sabrina ihr volles motorisches Potential ausschöpfte. So wurde sie von uns z.B. immer aufgefordert, aktiv beim Ausziehen der Kleidung und dem restlichen Anziehen des Neoprenanzuges mitzuhelfen. Wichtig dabei waren die (thorakale) Aufrichtung, einhergehend mit der Kopfkontrolle und das möglichst freie Sitzen. Neben den alltagsbezogenen Übungen (Umziehen), übten wir mit Sabrina in verschiedenen Ausgangstellungen, wie bspw. dem Langsitz, Schneidersitz und Kniestand. Hier kamen neben physiotherapeutischen auch manualtherapeutische Mobilisationstechniken zum Einsatz. Wir legten unseren Schwerpunkt auf die Regulation der Tonusverhältnisse, um vor allem die Aufrichtung zu beeinflussen. Dies ging einher mit einer Mobilisation der weniger beweglichen Gelenke. Ihre Tonusverhältnisse waren stark erhöht, was sich besonders auf die Beugemuskulatur bezog. Ihre Hände waren in einer meist geschlossenen Haltung, wobei sie beide Daumen oft in der Hand verschlossen hielt. Ihre Arme hielt sie nach außen gedreht, an den Körper gepresst und die Ellenbogengelenke in einer sehr starken Beugestellung. Durch langsame, wie auch schnelle Mobilisationen konnten wir die Körperspannung deutlich reduzieren, so dass Sabrina ihre Hände meist geöffnet und ihre Arme lockerer in einer verringerten Beugeposition hielt. Um eine funktionelle Integration des neu gewonnenen Bewegungsausmaßes und einen Übertrag in Sabrinas Alltag zu ermöglichen, ließen wir viele Bewegungsübergänge in die Therapie einfließen. Sabrina konnte sich eigenständig aus der Rückenlage über die Seite auf den Bauch drehen und hier mit den Unterarmen stützen. Aus dieser Position heraus konnte Sabrina ihre Rumpfmuskulatur optimal aktivieren und auch ihren Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule ausrichten. Die überschießenden Bewegungen ihrer Arme und Beine konnte Sabrina in der Regel gut beeinflussen und zeigte ein zielgerichtetes Bewegen, wie z.B. das Greifen der Rückenflosse, das Zeigen, Halten und Loslassen von Aufgabenkarten.

Wir boten Sabrina unterschiedliche Ausgangsstellungen an, um den oben erwähnten Sprachcomputer zu bedienen. Als für Sabrina sehr geeignete Position erwies sich die Bauchlage (auf einem Keilkissen gelagert). Wir führten sie am Ellenbogen und trainierten das selektive Bewegen des Zeigefingers in die Streckung. Als Ziel hatte Sabrina den Touchscreen ihres Sprachcomputers. Sie nahm diese Ausgangsstellung sehr gut an und konnte immer häufiger etwas auswählen.

Um weiteren Kontrakturen vorzubeugen und den momentanen Status zu halten sind regelmäßige, intensiv und möglichst endgradige Mobilisationen unerlässlich! Eine Dehnung der verkürzten Strukturen und eine entsprechende Tonusregulation sind weitere Punkte, die für eine Sicherung ihres momentanen Status wichtig sind.

Aufgrund des vorhandenen Potentials und der Möglichkeit zur aktiven Mithilfe bei pflegerischen Massnahmen sollte unserer Meinung nach das Ziel, Sabrina vermehrt in die Vertikale zu bringen, nicht vernachlässigt werden. Regelmässige Steheinheiten würden viele positive Veränderungen mit sich bringen, wie bspw. in ihrem Allgemeinzustand (u.a. Reduktion der chronischen Obstipation), da der gesamte Stütz- und Bewegungsapparat und das cardiovaskuläre System mehr gefordert werden, Sabrina eine andere Perspektive der Welt ermöglicht wird und dies eine nicht zu unterschätzende psychologische Komponente für Sabrina in sich birgt. Des Weiteren sind Reize in die Vertikalisation dahingehend förderlich, eine physiologischere Beanspruchung (Be- und Entlastung) der knöchernen Strukturen zu gewährleisten (Verbesserung der Rumpfstabilität, Kopfkontrolle, verbesserter visueller Kontakt) und eine Förderung der sozialen Interaktion zu gewährleisten.

Eine Fortführung der physiotherapeutischen Übungseinheiten ist auf jeden Fall empfehlenswert. Vor Ort wurde mit den Eltern über die Möglichkeit und die Vorzüge einer vermehrten Vertikalisation Sabrinas gesprochen, was auf jeden Fall auch mit den vor Ort behandelnden Therapeuten abgesprochen werden sollte. Um die Voraussetzungen für ein möglichst physiologisches Stehen zu schaffen, ist eine optimale Orthesen- und Einlagenversorgung unerlässlich. Des Weiteren sollte von ärztlicher Seite abgeklärt werden, mit welchen konservativen oder auch minimalinvasiven Möglichkeiten dieser Prozess unterstützt werden kann. Die durch die Schwanenhalsdeformität veränderten Fingergelenke können durch einfache Ringorthesen vor einer Überstreckung geschützt werden. Die Hilfsmittelversorgung kann von einem Ergotherapeuten durchgeführt werden. Hier ein Beispiel:

 

   Schwanenhalsdeformität und Ringversorgung
 
 

Sabrina und ihr Delfin Papito.....Zwei alte Bekannte trafen sich auch in diesem Jahr wieder. Vor allem im Wasser konnte Sabrina in vielen Bereichen (bspw. Motorik, Kommunikation, Konzentration) zeigen, was sie wirklich kann, worauf wir leider oft in der Vorbereitungszeit warten mussten. Sie profitierte daher ganz besonders von den Einheiten im Wasser wie auch von den therapeutischen Einheiten auf der Plattform.

 

Im Folgenden sind Sabrinas Fortschritte, die von ihren Eltern und von uns im Laufe der zweiwöchigen Therapie beobachtet wurden, zusammengefasst:

 -

Verbesserung der Tonusverhältnisse

 -

Reduktion der Spastik

 -

Selektive Bewegungen haben zugenommen (was sich besonders auf das isolierte

 

Bewegen des linken Zeigefingers zur Bedienung des Sprachcomputers bezieht).

 -

Verbesserung der Kopfkontrolle

 -

Weitere Verbesserung des Blickkontaktes

-

Deutlich verbesserte Konzentration in der Interaktion mit ihrem Delfin

Liebe Sabrina! Ich drücke dir die Daumen, dass du auch in Deutschland mehr davon sehen lassen kannst, wozu du hier in der Lage warst. Ganz besonders bezieht sich das natürlich auf die Zeit mit deinem „Kumpel” Papito im Wasser. Ich bin mir sicher, dass du wieder viel aus deiner Zeit auf Curacao mitnehmen konntest und du es schaffst, weitere Fortschritte zu erreichen.

Diese zwei Therapiewochen können als Aufbautherapie an die vorausgegangenen delfinunterstützten Therapien gewertet werden. Darum sollten diesem Bericht stets die Therapieberichte von Sabrinas vorherigen Delfintherapien zu Grunde gelegt werden. Diese Therapieabschlussberichte behalten nach wie vor ihre Bedeutung, da die beschriebenen Therapieinhalte, -ansätze und –durchführungen in Bezug auf Sabrinas Momentansituation auch zu diesen zwei Therapiewochen aktuell sind und aus unserer Sicht fortgeführt werden sollten.

Ganz liebe Grüsse

Matthias Krieger

Physio- und Manualtherapeut

Dies ist eine Zusammenfassung unserer Zeit im CDTC, welche Sabrinas Fortschritte während ihres Aufenthalts, Therapieinhalte und –methoden beschreibt. Angesprochene Therapiepunkte können Anregungen sein, da sie aus unserer Sicht wichtige Eckpfeiler in Sabrinas Förderung darstellen. Sollte es offene Fragen zur Therapie oder zu detaillierteren fachlichen Informationen geben, so stehen wir gerne telefonisch oder per E-Mail für Antworten zur Verfügung - das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt.

 

 

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